Afrika 2017: Besuch bei den Buschmännern

Auch heute hatten wir eine Strecke von 350 Kilometern vor der Brust, doch sollte die Fahrerei dieses Mal durch einen sehr spannenden Zwischenstopp unterbrochen werden. Am späten Vormittag statteten wir nämlich den Buschmännern vom Stamm der San einen Besuch ab.

Die San sind wahrscheinlich das älteste, noch existierende Urvolk auf diesem Planeten, doch auch sie ereilte zwischenzeitlich leider das Schicksal nahezu aller alten Volksstämme. Seit der Kolonialzeit wurden sie verfolgt und ihres Lebensraums beraubt, so dass ihre alten Traditionen mehr und mehr zu verschwinden drohen. Urspünglich lebende Buschmänner gibt es so gut wie nicht mehr, doch in der Nähe des Dörfchens Grashoek wurde ein ‚lebendes Museum‘ eingerichtet, in dem Besuchern die alte Lebensweise vermittelt wird.

Klein und zierlich waren die San, die uns am Eingang zum Dorf begrüßten. Ein älterer Mann, der mit uns auf eine kleine Runde durch den Busch ging, hatte früher noch tradionell als Jäger und Sammler gelebt.

Aus erster Hand erfuhren wir, wie die Beute damals per Hetzjagd über viele Stunden bis zur Erschöpfung getrieben und aus nächster Nähe mit Pfeil und Bogen oder einem Speer erlegt wurde, wie aus einer bestimmten Madenart Gift für die Pfeilspitzen gewonnen wurde, welche Pflanzen gegen Krankheiten helfen und vieles andere mehr.

Ein jüngerer San übersetzte für uns ins englische, denn der alte Mann erzählte in seiner Muttersprache. Ihm zuzuhören war äußerst faszinierend, da die Sprache der San viele Klick- und Schnalzlaute enthält, was für unsere Ohren sehr exotisch klingt.

Im Dorf wurde uns anschließend gezeigt, wie man aus einem Zweig und einigen Pflanzenfasern einen Bogen baut. In überraschend kurzer Zeit wurde mit zwei Hölzern, einer Prise Sand und sehr viel Reibung Feuer gemacht und die Frauen stellten ‚Perlenketten‘ aus Straußeneierschalen her.

Wie im Flug verging die Zeit und wir hätten den San noch stundenlang zuhören und zuschauen können, doch wir hatten ja noch ein gutes Stück bis zu unserem Tagesziel in Tsumeb zu fahren.

Die ehemalige Bergbaustadt erreichten wir gerade noch rechtzeitig, um im überraschend kalten 50-Meter-Becken unserer Lodge ein paar Bahnen ziehen zu können, bevor es zum Abendessen mal wieder ein ordentliches Steak auf den Teller gab.