Georgien: Adishi – Chkhunderi-Pass – Uschguli

Das Wetter bekam nicht so recht die Kurve. Wieder wurden wir mit Regengeräuschen wach und wieder mussten wir unsere Wanderung mehr oder weniger wasserdicht verpackt beginnen.

Von Adishi aus folgten wir einem schmalen Pfad talaufwärts. Der Himmel war grau zugezogen, doch immerhin waren die Wolken so hoch, dass wir noch einigermaßen Sicht hatten. Oberhalb von Adishi gab es außer dem schmalen Weg keine weiteren Anzeichen von Zivilisation. Nur noch das weite, hohe Tal, teils bewaldet, teils Grasland und ein Gletscherfluss, der sich seinen Weg frei suchen konnte.

Nach etwa zweistündiger Wanderung schwenkte das Tal nach links und gab den Blick frei auf den Tetnuldi (4858m) und den mächtigen Adishi-Gletscher. Rechts von uns befand sich der Chkhunderi-Pass (2722m), über den wir das Tal verlassen wollten. Es gab aber ein Problem: zwischen uns und dem Weg zum Pass lag der Gletscherfluss und es gab natürlich keine Brücke.

Die Flussquerung sollten uns ein paar Einheimische aus Adishi ermöglichen, die mit ihren Pferden bereits am Morgen hier hochgezogen waren. Was sich im ersten Moment nach ein wenig Wild-West-Romantik anhörte, sollte sich schnell als recht unangenehme Sache herausstellen. Man wurde nämlich nicht durch den Fluss geführt, sondern einfach auf das nächstbeste Pferd gesetzt. Das wurde dann grob ausgerichtet, bekam einen Schlag auf den Hintern und der Rest sollte dann ohne weitere Unterstützung funktionieren.

Allerdings trafen hier nun unsere eher mäßige Reiterfahrung, die sich auf eine Runde Ponyreiten bei der Kinderkirmes beschränkte und eine gewisse Unlust seitens der Pferde beim Durchqueren des rauschenden Gewässers aufeinander, was zu mehreren Fehlversuchen und Ehrenrunden führte. Die Aussicht auf einen Sturz in das eiskalte Wasser führte nicht gerade zu einem angemessenen Sicherheitsgefühl unsererseits und wir waren heilfroh, als wir endlich halbwegs trocken das gegenüberliegende Ufer erreicht hatten.

Mit Adrenalin vollgepumpt stiegen wir ein Stück bergan und erreichten bald einen schönen Rastplatz mit Blick auf den Gletscher. Ein paar Sonnenstrahlen sorgten jetzt für eine passable Aussicht, doch nach unserer Pause zog es sich bald wieder zu und leichter Regen sollte uns für den Rest des Tages begleiten. Auf matschigen Wegen überquerten wir die Passhöhe und stiegen auf der anderen Seite nach Iprari ab, wo unsere Gruppe an erstbester Stelle von drei Allrad-Vans eingesammelt wurde.

Was folgte, war ein etwa 15 Kilometer langer Transfer zu unserem Tagesziel Uschguli. Die Fahrt dorthin hatte es allerdings noch einmal in sich. Die ‚Straße‘ entpuppte sich nämlich als meist einspurige, vom Regen aufgeweichte und mit üblen Schlaglöchern übersäte Schotterpiste, die sich durch ein enges Tal schlängelte. Links der Berg, rechts der Abgrund hinunter zu einem reissenden Fluss, dazu ein Wasserfall, der auf die Piste klatschte und immer wieder Gegenverkehr, der für äusserst enge Begegnungen sorgte.

Allen Widrigkeiten zum Trotz brachten uns die Fahrer wohlbehalten zu unserer Unterkunft, wo wir kurz vor dem Abendessen noch die Gelegenheit hatten, bei der Zubereitung der typisch georgischen, mit Hackfleisch und Zwiebeln gefüllten Teigfladen (Kubdari) zuzuschauen.

Wanderung (rot) – Transfer (schwarz)
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Wanderung von Adishi nach Iprari

volle Distanz: 14.56 km
Maximale Höhe: 2724 m
Minimale Höhe: 2051 m
Gesamtanstieg: 759 m
Gesamtabstieg: -779 m

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