Calmont-Klettersteig

Heute war Abreistetag. Da wir allerdings nur etwa 200 Kilometer vor der Brust hatten und der Wetterbericht ausgerechnet jetzt für beste Aussichten sorgte, wollten wir diesen Tag zumindest nicht ganz ungenutzt lassen und hatten uns als kurze Abschlusstour für den Calmont-Klettersteig entschieden.

Beim ersten Blick aus dem Fenster sahen wir am Morgen allerdings zunächst einmal – nichts. Dichter Nebel lag im Moseltal. Keine guten Voraussetzungen für den aussichtsreichen Klettersteig, doch schon beim Frühstück arbeitete die Sonne erste Löcher in die dicke Watteschicht ein und während der Anfahrt nach Ediger-Eller blickten wir bereits auf einen fast vollständig blauen Himmel.

Am Start machten sich ziemlich viele andere Wanderer mit uns auf den Weg und zu unserem Erstaunen steuerten die meisten auch den Klettersteig an. Zum Glück konnten wir am ersten Anstieg zwei etwas größere Gruppen hinter uns lassen und danach hielt sich der Andrang einigermaßen in Grenzen.

An der Galgenlay begann der eigentliche Klettersteig, der sich auf halber Hanghöhe durch einen der steilsten Weinberge Europas zieht. Immer wieder stießen wir auf dem schmalen Pfad auf drahtseilgesicherte Stellen, und Trittbügel und Leitern halfen über felsige Steilstücke hinweg.

Echte technische Schwierigkeiten erlebten wir hier nicht. Der stellenweise aber recht luftige Weg hoch über der Mosel bereitete jedoch scheinbar einigen entgegenkommenden Wanderern gewisse Probleme in puncto Schwindelfreiheit. Auf der anderen Seite sorgte diese leichte Ausgesetztheit aber nahezu dauerhaft für tolle Blicke auf die enge Moselschleife bei Bremm und die Klosterruine Stuben.

Viel zu schnell hatten wir den Klettersteig hinter uns gebracht und es begann der Anstieg zum Gipfelkreuz Calmont, den wir so heftig nicht erwartet hatten. Gefühlt ging es fast senkrecht den sonnigen Weg hoch und oben angekommen gönnten wir uns erst einmal eine Traubensaftschorle.

Der Moselsteig brachte uns über die Höhen dann wieder zurück in Richtung Ediger-Eller und auch der Abstieg hinunter ins Moseltal war deutlich steiler als erwartet. Auf halbem Weg hinab schoben wir noch einen Schlenker zur Eller Todesangst an. Das ist eine vorgeschobene Felsnase hoch über dem Moseltal, die bei uns allerdings nicht für Angstzustände, sondern für Glücksgefühle wegen der tollen Aussicht sorgte.

Da die gesamte Runde deutlich anspruchsvoller war als wir erwartet hatten, trafen wir schließlich mit ein paar Stunden Verspätung wieder am Ausgangspunkt ein, was uns aber überhaupt nicht störte, denn die Tour hatte uns viel Spaß bereitet und war ein würdiger Urlaubsabschluss.

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