Lapplands Drag – Husky Expedition: Aufstieg aufs Hochplateau

Gegen 7 Uhr krabbelten wir aus den Schlafsäcken. Ein erster Blick aus dem Fenster sagte uns: der ideale Tag für eine Tour auf das Hochplateau. Doch vor dem Vergnügen kam die Arbeit.

Der Ofen wurde angeheizt, um Schnee fürs Frühstück zu schmelzen. Währenddessen hackten wir wieder mehrere Kilo gefrorenes Fleisch in mund- oder besser schnauzengerechte Stücke, denn erst einmal wollten unsere Huskys versorgt werden.

Als die Hunde satt waren, setzten wir uns an den Tisch und was unsere Guides Tord und Kuba dort auspackten, sorgte für erstaunte Blicke. Zum typisch nordschwedischen Fladenbrot, dem Tunnbröd, gab es mehrere Sorten Wurst- und Bratenaufschnitt, Schnitt- und Streichkäse, Eier, heißen Haferbrei mit Preiselbeeren, dazu Kaffee oder Tee und Saft. Deshalb also waren die Kühlboxen so schwer…

Gut gesättigt machten wir uns anschließend an den Abwasch und räumten die Hütte wieder auf. Holz wurde gehackt, um die Brennstoffvorräte aufzufüllen, denn jeder soll bei seiner Ankunft an einer Hütte direkt Feuer machen können. Als wir alles wieder auf Vordermann gebracht hatten, verluden wir das Gepäck auf die Schlitten und spannten die Hunde an.

Nach einem rasanten Start fuhren wir weiter das Tal des Vindelälven hinauf, bis wir nach etwa 10km die Dalavardohütte erreichten. Hier sollte unser nächstes Nachtlager sein und deshalb verstauten wir, von der Notfallausrüstung abgesehen, unser Gepäck im Vorraum der Hütte, denn nun lagen einige Höhenmeter vor uns.

Um etliche Kilogramm erleichtert bogen wir nach Norden ab und begannen den Aufstieg auf das Hochplateau des Vindelfjällens. Ab hier gab es keine Spuren mehr im frischen Schnee, außer der einen, die Tord mit seinem 8er-Gespann in die weiten Hänge malte und der wir, wie an einer Perlenschnur aufgereiht, folgten. Schon nach wenigen Minuten hatten wir die Baumgrenze hinter uns gelassen.

Der Anstieg und der tiefe Schnee verlangte den Hunden einiges ab und immer wieder mussten wir mitlaufen oder den Schlitten schieben, bis wir endlich in strahlendem Sonnenschein die Hochebene erreichten. Die klare Luft ermöglichte zig kilometerweite Blicke auf die umliegenden Berge und Täler und der Rest des Tages war ein einziger Traum. Auf den schier endlosen, glitzernden Schneeflächen eines der größten Naturreservate Europas fühlte man sich fast wie auf einer frühen Polarexpedition.

In einer weiten Schleife fuhren wir über das Plateau, bevor wir uns am Nachmittag an die rasante Abfahrt wagten. Bergab gaben die Hunde noch einmal richtig Gas und minutenlang bekamen wir den Fuß nicht von der Krallenbremse.

An der Dalavardohütte war in der Zwischenzeit eine französische Gruppe mit vier Gespannen eingetroffen, was unsere ‚Parkplatzsuche‘ etwas erschwerte. Die Hütte bot aber genug Platz für alle. Zum Abendessen (es gab Tortellini) teilten wir uns die Küche und am späten Abend überließen wir den Franzosen das Erdgeschoss, während sich unsere Gruppe ins Matratzenlager auf dem Dachboden zurückzog, wo wir hätten schlafen können, wie die Murmeltiere, hätten wir nicht den ungekrönten Europameister im Extrem-Schnarchen in unseren Reihen gehabt, dessen Name hier zum Schutz seiner Persönlichkeitsrechte nicht genannt werden soll.

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